Wo wollt ihr hin? So nahe an die syrische Grenze? Was gibt es denn dort? Und ihr wollt da in den Familien übernachten? - Das waren die Fragen, die man Frau Wallisch, Frau Grimm und vier Schülerinnen des Franziskanergymnasiums Kreuzburg in Großkrotzenburg stellte, als sie ankündigten, dass sie im Rahmen eines Comenius-Projekttreffens vom 8. bis 12. März nach Kahramanmaras in der Türkei fliegen würden.
Allen Neugierigen kann man antworten: Dort gibt es jede Menge Gastfreundschaft, viele aufgeschlossene und herzliche Menschen, alle Annehmlichkeiten einer Großstadt, leckere Baklava (Blätterteiggebäck mit Pistazien) und köstliches Eis aus Ziegenmilch.
Eigentlich waren die sechs Vertreterinnen der „Kreuzburg" in die Türkei gefahren, um sich mit Schülern und Schülerinnen aus Polen, Tschechien, Ungarn, Spanien und der Türkei über das Thema ihres Comenius-Projektes „Die Wurzeln europäischer Identität in Volksdichtung und deren Einfluss heute" auszutauschen, aber dieses Arbeitstreffen wurde zum Großereignis in der Region um Kahramanmaras.
Überall, wo die insgesamt 30 Besucher aus den verschiedenen Ländern auftraten, waren Fernsehkameras und Fotografen von regionalen Tageszeitungen zugegen, und Frau Wallisch durfte sogar ein kurzes Interview für den türkischen Nationalfernsehsender TRT geben.
Folkloreruppen traten auf, ein großes Buffet im Freien wurde organisiert und viele Museen, zwei Stadtbesuche sowie Sport und Spiele standen auf dem Programm. Die Gäste wurden zu Tänzen auf öffentlichen Plätzen aufgefordert, und sogar Fremde auf der Straße begrüßten die ausländischen Lehrer und Schüler herzlich und baten um Fotos.
Sowohl der Bürgermeister von Kahramanmaras als auch der Kultusminister der Region hatten zu Empfängen geladen und überall waren die Besucher gern gesehen und wurden mit Geschenken überhäuft.
Natürlich wurde auch fleißig Projektarbeit betrieben, denn das von der europäischen Union finanzierte zweijährige Comenius-Projekt, in dessen Rahmen Schüler und Lehrer des Franziskanergymnasiums Kreuzburg bereits in Polen und Spanien waren, wird im Sommer diesen Jahres auslaufen. In spannenden Diskussionen tauschten sich die Schüler aus den verschiedenen Ländern über ihre Wertvorstellungen aus, nachdem jedes Land eine Collage über typische Werte des eigenen Landes präsentiert hatte.
Jedoch konnte man klar erkennen, dass es ein besonderes Anliegen der türkischen Gastschule war, das Projekt in der Region bekannt zu machen und den Gästen einen möglichst guten Eindruck von Land und Leuten zu verschaffen.
Ausgesprochen wohl fühlten sich die Schülerinnen bei den türkischen Gastfamilien, welche sie mit Geschenken und gutem Essen überhäuften und sich rührend um ihr Wohl sorgten. Verständigungsprobleme hatten die Gäste kaum, denn sie konnten sich mit ihren Partnerschülerinnen auf Englisch unterhalten und hatten durch die Unterbringung in Gastfamilien die einmalige Chance, Familienleben in der Türkei zu erfahren. Viele Freundschaften wurden geknüpft und die Schüler konnten lernen, dass die Unterschiede zwischen ihrem eigenen Leben und dem ihrer türkischen Partnerschüler gar nicht so groß sind.
Auch Vorurteile darüber, wie wohl eine türkische Stadt aussieht, konnten abgebaut werden. Kahramanmaras und das benachbarte Gaziantep sind Großstädte mit 400 000 bzw. 2 Millionen Einwohnern. Viele Menschen leben in Hochhäusern und obwohl der Lebensstandard nicht ganz so hoch wie in Deutschland ist, sind die Wohnungen doch ähnlich wie unsere eingerichtet.
Allen, die noch nicht in Kahramanmaras waren, kann man sagen: Es lohnt sich, dorthin zu fahren und Türkei kennenzulernen, wie sie wirklich ist: Modern und aufgeschlossen, aber auch herzlich und traditionell. Hier kann man ganz entspannt auf einem Basar einkaufen und man wird als Gast wie ein König behandelt.